In der Psychoneuroimmunologie wird untersucht, wie sich der Geist eines Menschen auf sein Verhalten, sein Immunsystem und seinen Körper auswirkt. Außerdem wird betrachtet, welchen Einfluss das Immunsystem und der Körper auf den Geist haben.

Das Gehirn und das Immunsystem stehen in ständigem Austausch über Botenstoffe. Ein gestresstes Gehirn kann über diese Botenstoffe die Zellen strapazieren und sogar schädigen. Immunzellen und Nervenzellen sind miteinander vernetzt und können dadurch auch auf psychische Einflüsse reagieren.

Das Immunsystem produziert ebenfalls Botenstoffe, die sich direkt auf unser Denken und Fühlen auswirken. Das bedeutet: Wenn ein Mensch beispielsweise eine chronische Darmentzündung hat oder sich in einem akuten Schub befindet, entwickelt er auch belastende und problematische Gedanken . Diese wirken sich dann wiederum direkt auf den Darm aus.

Wenn man sich über längere Zeit in einer Krankheitsphase befindet und sich die Gedanken nur noch um die Krankheit drehen, wird es zunehmend schwieriger, aus dieser Spirale auszubrechen. Soziale Beziehungen und Zuspruch können dabei helfen, schneller zu genesen.

Psychosozialer Stress und psychische Faktoren verändern unser Hormon- und Immunsystem und haben somit einen entscheidenden Einfluss auf Gesundheit und Krankheit.

Was passiert mit dem Immunsystem, wenn sich ein Mensch bedroht oder überfordert fühlt? Er gerät in Stress.

Der Körper setzt daraufhin eine Reihe von Abwehrreaktionen in Gang:

In einer ersten Reaktion befiehlt das Gehirn den Nebennieren, die Hormone Adrenalin und Noradrenalin zu produzieren. Dadurch erhöht sich der Blutzuckerspiegel, und Muskeln sowie Gehirn werden mit Energie versorgt. Der Herzschlag beschleunigt sich, und der Blutdruck steigt.

Der Organismus gerät in Verteidigungsbereitschaft.

Nach überstandener Belastung muss der Körper in einer zweiten Phase wieder beruhigt werden. Dabei wird Kortisol ausgeschüttet. Dieses Hormon dämpft die Erregung und reduziert mögliche Entzündungsreaktionen.

Bei chronischem Stress gelangt jedoch zu viel Kortisol ins Blut. Dieses Stresshormon schwächt dauerhaft die Immunabwehr und bringt sie aus dem Gleichgewicht.

Eine Überproduktion von Kortisol verschiebt das Gleichgewicht zwischen zellulärer und humoraler Abwehr. Die Folge: Wir werden anfälliger für Virusinfektionen wie Grippe oder Herpes.

Außerdem wird die Produktion von Antikörpern erhöht, was das Risiko für Allergien und Autoimmunerkrankungen steigern kann.

 

Stressbelastete Mütter geben ihr Kortisol auch an den Fötus weiter. Das kann das Immunsystem des Kindes beeinflussen. Auch eine belastende Kindheit kann langfristige Auswirkungen auf das Immunsystem haben.